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Essstörungen- Krankheiten des 21. Jahrhunderts.

In keiner Epoche wurde das Schönheitsideal so einheitlich verbreitet wie heute. Weltweit sieht man dünne Mädchen und Frauen, die über Laufstege stolzieren. Durch die modernen Medien wird ein Maßstab verbreitet, dem viele Frauen gerne entsprechen würden. Gleichzeitig kann man sich jedoch vor Werbung für Fast-Food-Ketten wie McDonalds und Burger King, die bekanntermaßen keine kalorienarmen Speisen verkaufen, kaum retten. Es wird also ein sehr widersprüchliches Bild verbreitet, denn Fast Food macht mit Sicherheit nicht schlank und schön. So kommt es auch zu einem Überfluss an Werbung für Diäten und „schlank machende“ Medikamente.  

Es hat sich auch sehr viel geändert. Zum Beispiel haben die Schaufensterpuppen heute 10cm weniger Hüftumfang und 5cm dünnere Oberschenkel als in den 20er Jahren. Und Marilyn Monroe würde heute mit einer Konfektionsgöße von 42 mit Sicherheit keine Aufträge mehr von einer Modelagentur bekommen.

Schön und gut. Für mich ist das Argument, dass das heutige Schönheitsideal  die Schuld an den ganzen Essstörungen trägt zumindest nachvollziehbar. Nichts desto trotz sind Magersucht und Bulimie ein viel  komplexeres Phänomen und sie können nicht allein darauf reduziert werden. Es geht nur am Rand um das dünn sein. Die eigentlichen Ursachen liegen in der Psyche.

Magersucht ist demnach auch nicht erst im 20. Jahrhundert mit dem neuen Schönheitsideal entstanden, wie z.B. der Brief der heiligen Margret von Cortona an ihren Beichtvater, der ihr befohlen hatte zu essen beweist:

„Lieber Vater, ich werde nicht zulassen, daß meine Seele Frieden mit meinem Körper schließt, und ich habe auch nicht die Absicht, mich zu verstellen. Deshalb erlaubt mir, meinen Körper zu zähmen, indem ich meine Ernährungsweise nicht verändere; ich werde für den Rest meines Lebens nicht mehr damit aufhören, bis kein Leben mehr in mir ist. Mein Fleisch ist keineswegs so schwach, wie es den Anschein hat; es verhält sich nur deshalb so, damit ich nicht Buße von ihm fordere für die Schuld, die es auf sich lud, als es weltliche Freuden suchte… Oh, mein Körper warum hilfst du mir nicht, meinem Schöpfer und Heiland zu dienen? Warum bist du jetzt nicht ebenso gehorsam, wie du vorher ungehorsam warst. Seine Gebote? Klage nicht, weine nicht; gib nicht vor, halbtot zu sein. Du wirst das Gewicht tragen, das ich auf deine Schultern lege, alles… Nicht nur der Nahrung wollte ich mich in diesem meinem sterblichen Leben enthalten, sondern jeden Tag tausend Tode sterben, wenn dies möglich wäre.“

Tod am 22. Februar 1297 durch Verhungern.

Quelle: Alice im Hungerland, Marya Hornbacher

Magere Körper wirkten schon immer faszinierend und so wurden früher z.B. auf Jahrmärkten Menschen, die lange Zeit gehungert hatten ausgestellt. Sie wurden für ihre Stärke bewundert, galten aber auch als sonderbar.

Menschen, die auf Nahrung verzichteten wurden teilweise als Heilige verehrt und selbst heute spielt dieser Verzicht beispielsweise in Religionen als Askese eine bedeutende Rolle. Diese Menschen erscheinen stark, sie beherrschen ihren Körper und ihre Bedürfnisse.

Obwohl die Zahl der Essgestörten seit den 50er Jahren zunimmt (4/100.000 sind betroffen vgl.1970: 16-20/100.000 sind betroffen), gibt es meiner Meinung nach viel zu wenig Aufklärung über die eigentlichen Ursachen und was es bedeutet mit einer Essstörung leben zu müssen.

6.8.09 21:07
 


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